Team Players

Vor langer langer Zeit startete mein ehemaliger Teamleiter eine Präsentation mal mit den Worten

Ohne sein Team ist der Manager nichts!

Heute würde ich leicht zynisch antworten:

Die Botschaft hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.

Doch trotzdem befinde ich diese Aussage als hohe Aufwertung des “Team” Begriffes.


In Anime-Serien und RPGs sind die Lone-Wolf-Charaktere stets besonders “cool”, gutaussehend und “smart” dargestellt. Und immer lautet dann die direkte oder indirekte Prämisse, diesen Jungen in ein Team zu integrieren.

Natürlich zählen “wir” Informatiker auch nicht gerade zu den sozial verträglichsten Menschen (die guten jedenfalls nicht 😛), schon gar nicht wenn es um uns-wichtige Fragen geht.

Dialoge nach dem Schema

A: Hey, warum hast du mir denn das nicht sofort gesagt?
B: Du hast mich ja nicht danach gefragt.

können da schon mal vorkommen, und aus einer Mücke wird dann zielsicher ein Elefant herbei diskutiert.

Doch wenn es um Projekte geht, die nicht wegen ihrer Winzigkeit gleich wieder in der Versenkung verschwinden sollen, so sind wir darauf angewiesen mit anderen zusammen zu arbeiten.

Dass eine solche Zusammenarbeit eine Quelle an Wissen, Erfahrung und Motivation sein kann, die man auch im teuersten Seminar nicht “einkaufen” kann, wird leider oft unterschätzt.
… genau so wie das Versagen einer solchen Struktur bis zum Abbruch von Projekten führen kann.

Ich möchte daher heute ein Denkmal für jene setzen, die sich aktiv für den Aufbau von Teams und Teamstrukturen einsetzen.

Da sich diese wertvolle Arbeit schlecht in Zahlen abbilden lässt, wird sie weder gewürdigt noch gut bezahlt. Und dass ein solcher Einsatz fehlt, merkt man oft erst, wenn schon zu spät ist.

Ich hatte in meinem Leben einige Male mit eben solchen Brückenbauern zu tun. In der freien Wildbahn kamen sie mir als Psychologen, Berater, Teamleiter, aber auch als Sachbearbeiter, Reservelagerverwalter und sogar als “Endkunde” unter.

Sie zeichnen sich durch eine besondere Feinfühligkeit aus, lesen einem die aktuelle Laune von der Nasenspitze ab und schaffen es mit einem gekonnten Gesprächseinstieg das Erkannte höflich anzusprechen und mit Behutsamkeit Anspannungen aufzulösen.

Sie rufen an, ohne dass sie es müssten, sprechen verbindende Worte und stellen stets das Gemeinsame über das Trennende.

Und voreilig denke ich mir dann oft:

Pah, das hätte ich jetzt auch geschafft.

Doch letztendlich tut man es nicht, vertieft sich lieber in andere Aufgaben, und schafft es selbst … eben nicht.

Aus meiner kurzen Zeit im Telefonsupport, weiß ich noch recht gut, wie anstrengend es ist, sich auf die Gemütslage des Gegenüber einzulassen. 16 Stunden Programmierung haben mich bei weitem noch nie so gestresst, wie 6 Stunden “den Problemen” anderer zuzuhören und darauf reagieren zu müssen.

Daher sei allen diesen Brückenbauern da draußen (damit sind nicht die in Rom gemeint) hiermit mein offizieller Dank ausgerichtet.

Denn euer Einsatz fördert nicht nur die zwischenmenschliche Kultur, sondern eben auch Projekte in Wissenschaft und Technik.

Und das muss uns auch was wert sein!


Es gibt auch tatsächlich Situationen, wo das Fehlen oder Einreißen von Team-Brücken etwas Positives hat:

Die Abspaltung des OpenBSD Projektes wäre so ein Beispiel. Hier war das Resultat, dass nun unterschiedliche Projekte (NetBSD / FreeBSD) jeweils andere Zielgruppen besser bedienen können.

Oder der Streit um die Bitcoin- Blocklängen. Denn diese Spaltung hat zur deren Abwertung geführt und weitere Menschen davon abgebracht in diese sinnlose Stromverschwendung zu investieren.

… aber in Summe kann man objektiv sagen, dass das Beisein von Brückenbauern so viel mehr Gutes bewirkt hat, als ihr Fehlen es je hätte ausgleichen können.

Also bleibt ‘uns’ bitte erhalten!